{"id":559,"date":"2024-04-10T08:56:53","date_gmt":"2024-04-10T06:56:53","guid":{"rendered":"https:\/\/opinion-leader.org\/?p=559"},"modified":"2024-04-17T08:58:10","modified_gmt":"2024-04-17T06:58:10","slug":"die-anhaltende-tendenz-der-de-dollarisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/opinion-leader.org\/en\/veroeffentlichungen\/die-anhaltende-tendenz-der-de-dollarisierung\/","title":{"rendered":"Die anhaltende Tendenz der De-Dollarisierung"},"content":{"rendered":"<p>Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat sich der US-Dollar als die vorherrschende globale Leitw\u00e4hrung etabliert, ein Status, der durch das Bretton-Woods-Abkommen von 1944 gefestigt wurde. Diese Position wird ma\u00dfgeblich durch die Stabilit\u00e4t und Gr\u00f6\u00dfe der US-Wirtschaft sowie durch die expansiven und liquiden Finanzm\u00e4rkte gest\u00fctzt, insbesondere den Markt f\u00fcr US-Staatsanleihen. Gegenw\u00e4rtig stellt der US-Dollar etwa 59 % der weltweiten Devisenreserven dar, was eine dominante, wenn auch im Vergleich zu fr\u00fcheren Jahrzehnten leicht reduzierte Stellung ist. Dieser geringf\u00fcgige R\u00fcckgang im Vergleich zu fr\u00fcheren H\u00f6chstst\u00e4nden l\u00e4sst sich auf verschiedene Faktoren zur\u00fcckf\u00fchren, unter anderem auch auf die Einf\u00fchrung des Euro im Jahr 1999. Der Anteil des Dollars an den weltweiten Reserven ist von rund 71 % auf 59 % gesunken, was auf eine breitere Diversifizierungsstrategie der globalen Zentralbanken zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Diese Strategie wird durch Ver\u00e4nderungen in der globalen Wirtschaftslandschaft beeinflusst, einschlie\u00dflich des Aufstiegs anderer wichtiger Volkswirtschaften und ihrer W\u00e4hrungen wie dem Euro, dem chinesischen Renminbi und anderen.<\/p>\n<p>Vor der Einf\u00fchrung des US-Dollars hatten sowohl Gro\u00dfbritannien als auch Frankreich Epochen erlebt, in denen ihre W\u00e4hrungen als Ankerw\u00e4hrungen fungierten, wodurch sie den Welthandel und die wirtschaftliche Stabilit\u00e4t ma\u00dfgeblich beeinflussten. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts war der US-Dollar eine dominante Kraft, bis Anfang der 1970er Jahre Herausforderungen das System allm\u00e4hlich untergruben. Die feste Goldkonvertibilit\u00e4t des US-Dollars endete 1971 unter Pr\u00e4sident Nixon und markierte einen bedeutenden Wechsel zu frei schwankenden Wechselkursen unter den wichtigsten globalen W\u00e4hrungen. Diese Entkoppelung verwandelte den Dollar in eine Fiat-W\u00e4hrung, die nicht mehr durch Gold, sondern durch die wirtschaftliche St\u00e4rke der Vereinigten Staaten gest\u00fctzt wird. Angesichts des ungebremsten inflation\u00e4ren Gelddrucks, bei dem die USA bereits neue Schulden aufnehmen m\u00fcssen, um die alten Zinsen zu begleichen, steigt die amerikanische Staatsverschuldung alle 100 Tage um eine Billion (amerikanisch: Trillion) Dollar. Diese Ma\u00dfnahme hat dazu gef\u00fchrt, dass der Dollar seit seiner Einf\u00fchrung 99% seiner urspr\u00fcnglichen Kaufkraft eingeb\u00fc\u00dft hat. Somit ist es f\u00fcr diejenigen, die weiterhin den digitalen Fiat-Dollar als Zahlungsmittel f\u00fcr reale Werte verwenden, zunehmend schwierig, eine nachhaltige Wertaufbewahrung zu gew\u00e4hrleisten. Der wirtschaftliche Niedergang der USA f\u00fchrt dazu, dass es immer weniger M\u00f6glichkeiten gibt, die durch Handel eingenommenen US-Dollar gewinnbringend und diversifiziert anzulegen. Historisch gesehen war neben dem milit\u00e4rischen Einfluss die F\u00e4higkeit, die eingenommenen USD langfristig und breit gestreut zu investieren, eine der wichtigsten St\u00e4rken des US-Dollars. Doch auch diese St\u00e4rke erodiert zunehmend.<\/p>\n<p>Bereits w\u00e4hrend der letzten Jahre und besonders seit dem 2. Halbjahr 2023 war in L\u00e4ndern des globalen S\u00fcdens, hier speziell in den BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und S\u00fcdafrika, ein zunehmender Trend in Richtung Entkoppelung vom Dollar zu beobachten. Diese L\u00e4nder suchen vermehrt nach Alternativen zum US-Dollar im internationalen Handel und Finanzwesen.<br \/>\nIn den vergangenen zwei Jahrzehnten hat die Strategie der Vereinigten Staaten darin bestanden, den US-Dollar als Instrument der wirtschaftlichen Staatsf\u00fchrung zu nutzen. Dies war dadurch gekennzeichnet, dass die zentrale Rolle des Dollars im Weltfinanzsystem genutzt wurde, um au\u00dfenpolitische Ziele der USA durch Sanktionen und Finanzkontrollen zu verfolgen und durchzusetzen.<\/p>\n<p>Insbesondere seit den Ereignissen rund um den 11. September 2001 haben die USA den Einsatz ihrer Finanzmacht erheblich ausgeweitet, um nicht nur Staaten, sondern auch Einzelpersonen und Organisationen, die als Bedrohung angesehen werden, gezielt zu beeinflussen. Der Umgang mit dem Dollar als \u201eWaffe\u201c wurde besonders deutlich bei der Verh\u00e4ngung von Finanzsanktionen gegen L\u00e4nder wie Iran, Syrien und Russland, um nur einige zu nennen, mit denen wirtschaftlicher Druck ohne direktes milit\u00e4risches Engagement ausge\u00fcbt werden sollte.<\/p>\n<p>Sanktionen spielten eine entscheidende Rolle in den Bem\u00fchungen der USA, das Vorgehen Russlands in der Ukraine zu beeinflussen, indem sie die Dominanz des Dollars nutzten, um den russischen Zugang zu den globalen Finanzm\u00e4rkten und -dienstleistungen zu beschr\u00e4nken. Diese Finanzstrategie st\u00fctzt sich in hohem Ma\u00dfe auf internationale Bank- und Finanzkommunikationssysteme wie Swift, die aufgrund der Bedeutung des US-Dollars unter amerikanischer Dominanz standen. Die Nutzung von Swift erm\u00f6glichte es den USA, ganze Nationen aus dem internationalen Finanzsystem auszuschlie\u00dfen, was erhebliche Auswirkungen auf die Volkswirtschaften dieser L\u00e4nder hatte und ihre finanzielle Stabilit\u00e4t sowie Souver\u00e4nit\u00e4t stark unter Druck setzte. Die Reaktion auf diese Ma\u00dfnahmen war eine konzertierte Anstrengung mehrerer L\u00e4nder, ihre Abh\u00e4ngigkeit vom US-Dollar zu verringern, um solche Verwundbarkeiten zu vermeiden. Insbesondere L\u00e4nder, die mit der US-Politik nicht einverstanden waren, sahen sich gezwungen, nach Alternativen zu suchen, um die Auswirkungen der US-Sanktionen abzumildern. Dies hat dazu gef\u00fchrt, dass in bilateralen regionalen Handelsabkommen zunehmend lokale W\u00e4hrungen verwendet werden, um den Dollar zu umgehen.<\/p>\n<p>Zu den Initiativen der BRICS-Staaten z\u00e4hlt auch die Gr\u00fcndung neuer Finanzinstitutionen wie der New Development Bank (NDB), die Finanzierungsalternativen jenseits des US-Dollars anbieten und damit den Entwicklungsl\u00e4ndern mehr finanzielle Autonomie erm\u00f6glichen. Dar\u00fcber hinaus wird die Schaffung einer gemeinsamen BRICS-W\u00e4hrung oder digitaler Zahlungssysteme diskutiert, um den Handel innerhalb des Blocks ohne Umrechnung in US-Dollar zu erleichtern. Es gibt auch Bestrebungen, alternative globale Finanzstrukturen zu schaffen, die von westlich dominierten Institutionen unabh\u00e4ngig sind. Dazu geh\u00f6ren potenzielle neue Marktmechanismen und Finanzinstrumente wie die Einf\u00fchrung von auf Yuan lautenden Roh\u00f6l-Futures-Vertr\u00e4gen in China, mit denen der Roh\u00f6lhandel de-dollarisiert werden soll; in einem Sektor also, der traditionell vom US-Dollar dominiert wird.<\/p>\n<p>Gleichzeitig verst\u00e4rken geopolitische und wirtschaftliche Ver\u00e4nderungen diese Trends. So haben beispielsweise die j\u00fcngsten Schritte Saudi-Arabiens, den Handel mit Roh\u00f6l in anderen W\u00e4hrungen als dem US-Dollar zu erw\u00e4gen, erhebliche Auswirkungen. Die Abkehr wichtiger \u00d6lf\u00f6rderl\u00e4nder vom \u00d6lhandel in Dollar k\u00f6nnte eine der wesentlichen S\u00e4ulen der globalen Dominanz des Dollars untergraben. Dieser Wandel ist in den L\u00e4ndern des Globalen S\u00fcdens und den BRICS-L\u00e4ndern zu beobachten, die nach Alternativen wie lokalen W\u00e4hrungen, dem Aufbau von Goldreserven und anderen internationalen W\u00e4hrungen f\u00fcr Handel und Reservehaltung suchen. Die weitreichenden Auswirkungen der US-Finanzpolitik und der vermeintlich exzessive Einsatz des Dollars als Waffe haben somit die Bem\u00fchungen um eine Abkoppelung vom US-Dollar vorangetrieben, da die L\u00e4nder versuchen, ihre Abh\u00e4ngigkeit vom Dollar zu verringern. Diese Bestrebungen spiegeln den Wunsch nach gr\u00f6\u00dferer wirtschaftlicher Unabh\u00e4ngigkeit und einer Verlagerung hin zu einem st\u00e4rker multipolaren Weltfinanzsystem wider, in dem der US-Dollar potenziell weniger Einfluss hat. Der US-Dollar ist zwar nach wie vor einflussreich, aber seine alleinige Dominanz schwindet und l\u00e4utet eine neue \u00c4ra diversifizierter globaler Finanzkraft ein, da die Staaten versuchen, ihre Abh\u00e4ngigkeit von der US-Politik zu verringern.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat sich der US-Dollar als die vorherrschende globale Leitw\u00e4hrung etabliert, ein Status, der durch das Bretton-Woods-Abkommen von 1944 gefestigt wurde. Diese Position wird ma\u00dfgeblich durch die Stabilit\u00e4t und Gr\u00f6\u00dfe der US-Wirtschaft sowie durch die expansiven und liquiden Finanzm\u00e4rkte gest\u00fctzt, insbesondere den Markt f\u00fcr US-Staatsanleihen. 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